
Will sie in Danzig regieren? Linke-Spitzenkandidatin Eralp verwechselt Rathäuser im Werbespot

Von Wladislaw Sankin
Der Linkspartei ist in ihrer Wahlkampagne eine peinliche Panne unterlaufen. In einem Werbespot erklärte die Spitzenkandidatin Elif Eralp wie die Wähler ihre Wahlzettel auszufüllen haben, damit sie als Regierende Bürgermeisterin in das Rote Rathaus in Berlin einzieht. Dabei achtete die Politikerin strengstens darauf, dass ihre Sprache genderneutral blieb – jeder Bezirk stelle seinen eigenen "Kandidierenden" auf.
Weniger aufmerksam wurde die Spitzenkandidatin jedoch bei der Darstellung des von ihr angestrebten Amtssitzes. So wird das Berliner Wahlvideo für einen kurzen Moment zum Reiseführer durch Polen: Statt des weltbekannten Wahrzeichens in Berlin bekommen die Wähler das rechtstädtische Rathaus in Danzig zu sehen – ein Museum übrigens.
Zweifellos stellt das eingeblendete Rathaus ein beeindruckendes Bauwerk dar. Aber es steht eben nicht in Berlin! In Zeiten der Remote-Jobs wirft der Fehler die Frage auf, wen die Linken überhaupt als "Mitarbeitende" bei ihren Medien beschäftigen und ob diese jemals eine Verbindung zu Berlin und gar Deutschland gehabt haben. Es dauerte jedoch nicht lange, bis der Fehler gemeldet wurde.
Die Linke Spitzenkandidatin für Berlin Elif Eralp erklärt in einem Video, wie Erst- und Zweitstimme funktionieren, dabei wird ein Bild des Danziger Rathauses eingeblendet und nicht des Roten Rathauses in Berlin. Diese Frau zeigt jetzt schon, wie inkompetent sie ist. pic.twitter.com/j6zjAlwR9k
— Staatsverdrossen (@Staatsverdruss) September 15, 2026
Die Linkspartei löschte das Video und erklärte auf Anfrage: "Da, wo Menschen seit Monaten unter Dauertempo arbeiten, passieren leider auch mal ärgerliche Fehler". Es sei gut, "dass so viele Menschen aufgepasst und uns darauf hingewiesen haben".
Die schnell gemeldete Panne mag eine amüsante Momentaufnahme sein. Ein Schwinden in der Wählergunst hat die Linkspartei deswegen aber eher nicht zu befürchten. Laut aktueller Insa-Erhebung ist sie mit 20 Prozent die Spitzenreiterin. Allerdings muss sie diesen Platz mit der CDU teilen – noch. Denn nach dem CDU-Wahldebakel in Sachsen-Anhalt hat Die Linke gute Chancen, die meisten Stimmen für sich zu gewinnen.

Vergleich mit den Vorwahlen zeigt: Die Tendenzen der beiden Parteien spiegeln sich diametral. Während die CDU seit den letzten Wahlen 2023 gut acht Prozentpunkte verliert, sind es bei der Linkspartei knapp acht Prozentpunkte, die sie zugewinnt. Und derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass dieser Trend bei der CDU rückläufig wird.
Höchstwahrscheinlich wird die CDU (deren Parteichef übrigens nach wie vor Merz ist) weiterhin Sympathisanten verlieren und sich nur noch auf ihre harte Kernwählerschaft stützen. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass die AfD die beiden Wettbewerber einholt: Nach ihrem fulminanten Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt ist die Rechtskonservative sogar in Berlin der geheime Favorit. Mit knapp neun Prozentpunkten liegt die AfD im Vergleich zu den Vorwahlen bei Insa genau doppelt so hoch.
Die beiden Parteien, die die Schließung des Russischen Hauses in Berlin auf die Fahnen des Wahlkampfes geschrieben haben, stagnieren weiterhin. Die Grünen bekämen jetzt 16 Prozent (minus 2,4) und die SPD zwölf (minus 6,4).
BSW: Klare Positionen fruchten
Das BSW muss laut Insa weiterhin um den Einzug ins Abgeordnetenhaus bangen und bekäme jetzt fünf Prozent. Die Tendenz weist jedoch eine ausgesprochen positive Dynamik auf, da vor dem 6. September kaum eine Umfrage eine derartige Prozentzahl ergab. Selbst in den Ostbundesländern hieße es immer, für das BSW würden nur drei bis maximal vier Prozent der Wähler stimmen. Insbesondere gilt das für vom ZDF geführte Umfragen.
Laut BSW-Politikern ist dies ein Trick der politisch gelenkten Umfrageinstitute, die Partei als Versagerin darzustellen, für die es sich nicht lohnt, eine Stimme abzugeben. Bei Insa hat sich nun das BSW um gleich zwei Prozentpunkte verbessert. BSW-Kandidat Manaf Hassan jubelte auf X: "Wir sind so was von da".
Wir sind sowas von da:
— Manaf Hassan (@manaf12hassan) September 14, 2026
Das BSW bei 5% in Berlin! 💪🏼🔥 pic.twitter.com/J0UyshLxK0
Neben dem Domino-Effekt nach Magdeburg könnte der Stimmenzuwachs seine Ursache auch in Parteiprogrammatik haben. Das BSW positioniert sich als die einzig verbliebene Friedenspartei. Die Linkspartei mit ihrem Schwenk zum "Wokismus" und Antirussismus ist es seit Jahren nicht mehr. Auch die AfD wird vom BSW u. a. für Positionen zur NATO und Aufrüstung scharf kritisiert.
In den vergangenen Wochen und Monaten verdeutlichte das BSW seine Position zum Ukraine-Konflikt und zu Russland. Die Partei in Berlin buhlt nun bei prorussischen Wählern und auch bei den Russischstämmigen, und das nicht ohne Erfolg. Es formiert sich sogar eine Gruppe von BSW-Jungpolitikern mit russischen Wurzeln. Die Kundgebung vor dem Russischen Haus gegen seine Schließung am 4. September und das Deutsch-Russische Friedensfest in Berlin-Mitte am Folgetag verliefen stimmungsvoll und wurden zu Publikumsmagneten. Die Wahlen am Sonntag werden zeigen, ob diese neue Wärme im rauen politischen Klima Berlins Früchte trägt.
Mehr zum Thema - Demonstration gegen Schließung des Russischen Hauses in Berlin
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